Ich schreibe wie…

Ildiko von Kürthy

Da konnte sich wohl ein Programm nicht entscheiden…

Kurt Tucholsky

Ernest Hemingway schreibt übrigens wie

Hermann Hesse

Und Hesse selbst wie Peter Handtke. Oh, nein!

Damit wäre die Zuverlässigkeit dieses Programms wohl widerlegt! Im Test erzielte es bei bekannten Autoren eine Quote von 2 aus 10!

Schade. Test nicht bestanden! Ich fand es zuvor sehr, sehr interessant. Nun doch eher: Setzen, sechs!

Die 101. Ausgabe – eine Hommage an den RVK Grapevine

Reykjavík GrapevineDer Morgen beginnt viel zu früh. Die Arbeit wartet. Müde wie ich bin, steige ich die Treppe hinunter. Lagsam. Wenige Minuten später wird alles gut. Ich öffne die Tür. Auf den Stufen vor dem Haus liegt eine Zeitung. Aber nicht irgendeine. Es ist der Reykjavík Grapevine, eine der best zu lesenden englischsprachigen Zeitungen, die ich kenne. Ausgabe 101 steht stolz auf der Titelseite – gratuliere! Das Bild zeigt einen Stapel alter Ausgaben. Dass das Cover völlig anders hätte aussehen sollen, erfährt der Leser ganz unten.

Die Spannung wird schon auf der ersten Seite blendend aufgebaut. Wie sehen die alten Ausgaben aus? Kann ich sie auf einer großen Doppelseite alle sehen und vergleichen? Nein, viel besser. Das ganze Blatt muss ich durchblättern. Denn, ich bekomme auf jeder Seite nur drei bis fünf kleine Fotos angeboten. Umso besser. Während ich Ausgabe 101 durchblättere, fallen mir Artikel auf, die ich später lesen will. Zunächst aber bleibe ich den Ausgaben 1 bis 100 treu. Darunter befinden sich so interessante Titel wie „Whales, harpoons and other weapons of mass destruction“ mit dem Zusatz: „Will whaling make the world hate us?“ Maybe, yes! Ebenfalls genial: „In god we trust – but which one?“ Am besten gefallen hat mir unter den ersten 20 aber Ausgabe 18: Das Bild zeigt einen lächelnden Schafkopf mit Hörnern auf einem Teller, daneben Karotten und Erbsen. Das Foto alleine ist schon unglaublich. Die Schlagzeile lautet: „The face of icelandic food“. Keine Chance es besser zu machen! Da kann selbst: „Wir sind Papst“ nicht mithalten. Die isländische Fußballnationalmannschaft in Ausgabe 42 sieht seltsam aus. Immerhin sind dort 11 Wikinger zu sehen – komplett bewaffnet mit Helm, Schild und Speer. Ob das zum Erfolg führt, bleibt abzuwarten. Zum Totlachen ist ein anderes, schlichtes Cover. Ein Mann, eindeutig als Isländer zu identifizieren versucht mit seiner rechten Hand seine Lippen zu einem Lächeln zu formen, in dem er sie mit Daumen und Zeigefinger nach oben drückt. Allein, es scheint nicht zu gelingen. Ganz im Gegenteil dazu der Titel: „Happiest Nation on Earth“. Meine Lachmuskeln müssen hart arbeiten! Eine schwarze Ausgabe, auf der lediglich „Blackout Reykjavík“ steht wirkt da deutlich schwächer und irgendwie kopiert. Ein halbnacktes Model auf der Sommerausgabe 2007 feiert eben jenen: „Celebrating Summer“. „Gaykjavík“ schräg über eine Regenbogenfahne geschrieben widmet sich weniger der Ministerpräsidentin (Johanna Sigurdardottir), sondern dem „gay nightlife“. Oh, der Sommer 2008 wurde noch besser: Ein traurig schauender Mann auf dem Absprungbrett im Freibad – am Horizont die dunkelsten Wolken, die man sich vorstellen kann: „This is summer, deal with it!“ Und dann kam die Finanzkrise und Obama. Für erstere wird ein Politiker bildlich durch Pfeile hingerichtet: „Our very own matyrs“, bei „Barack ist the new black“ freut sich der Herausgeber diebisch: „Finally, 43 was out of the White House“. Aber seht selbst: http://www.grapevine.is